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24.05.2017 "Wer nur in homogenen Zusammenhängen lebt, kann nichts verändern"

Am 21. Mai wurde in Bochum die CouLe, der neue Preis der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW e.V. für couragierte Lesben an die Wissenschaftlerin Prof. Dr. María do Mar Castro Varela verliehen. Die Berliner Professorin setzt sich mit ihrer Forschung besonders für die Rechte von lesbischen Frauen mit Migrations- und Rassismuserfahrung ein.

"CouLe – Preis für couragierte Lesben" - unter diesem Namen startete die LAG Lesben in NRW 2017 ihre Neukonzeptionierung des vorherigen Augspurg-Heymann-Preises. Vor rund 140 geladenen Gästen nahm am Sonntag die Politologin Prof. Dr. María do Mar Castro Varela die Auszeichnung im Bochumer Jahrhunderthaus in Empfang. Mit der CouLe möchte die LAG Lesben Frauen öffentlich würdigen, die in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern engagiert für die Interessen von Lesben und gegen Diskriminierung eintreten.

"Der Name mag sich geändert haben, Zielsetzung und Absicht sind aber dieselbe geblieben", knüpfte Moderatorin Dr. Ann-Marie Krewer die Verbindung zwischen altem und neuem Preis und führte die Vision bis zu Adorno fort: "Zu erreichen, dass wir alle ohne Angst verschieden sein können."

 

Mario Do Mar Castro Varela erhielt die CouLe"Wir müssen insbesondere die im Blick haben, die maximal verletzlich sind"

Staatssekretärin Martina Hoffmann-Badache vom NRW-Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter betonte in ihrem Grußwort die Notwendigkeit von "Vorbildern und Vorkämpferinnen für eine offene Gesellschaft, in der Vielfalt als Bereicherung erkannt wird." Sie würdigte die politischen Anstrengungen der letzten Jahre. Dass es in unserer Gesellschaft dennoch so viele Vorurteile gibt, liege auch daran, so Hoffmann-Badache, "dass es an Wissen über queeres Leben fehlt." Dieses Wissen zu vermitteln, darin sieht die diesjährige CouLe-Preisträgerin ihre wichtigste Aufgabe. Dabei müssten wir alle, auch die Community selbst, "insbesondere die im Blick haben, die maximal verletzlich sind", sagte Castro Varela. „Leid und Schmerz müssen Teil dessen werden, das wir versuchen zu verstehen und zu verändern."

 

"eine queer-feministische Superheldin"

Laudatorin Gema Rodriguez Diaz von der Integrationsagentur im Kölner rubicon erklärte: "María do Mar Castro Varela war eine der Ersten, die im Thema Antirassismus-Training und Empowerment gearbeitet hat. Ihre wissenschaftlichen Arbeiten haben die Frauen- und Geschlechterforschung, die Queer Studies, die postkoloniale Theorie und die Rassismusforschung entscheidend geprägt." Viele dächten von ihr als "eine queer-feministische Superheldin", so Rodriguez Diaz. Sie selbst würdigte die Preisträgerin als "präzise und analytisch denkende" Frau "von messerscharfem Intellekt, Offenheit, Neugierde und Bereitschaft zur Auseinandersetzung auf Augenhöhe." Besonders hob sie die Wirkmacht von Castro Varelas Arbeiten hervor: "Wer ihre Texte liest, denkt danach anders. Ihre Texte, Vorträge und Seminare regen dazu an, Privilegien zu reflektieren, aber auch nicht dabei stehen zu bleiben, sondern aktiv zu werden, queere Utopien zu entwickeln und Allianzen und Bündnisse zu schließen, die Grenzen überwinden."

 

"Wer nur in homogenen Zusammenhängen lebt, kann nichts verändern." 

Mario Do Mar Castro Varela, Preisverleihung der CouLe der LAG Lesben in NRWEben diese Bündnisse stellte auch María do Mar Castro Varela selbst ganz nach oben auf die Dringlichkeitsskala. Als sie die Auszeichnung entgegennahm, rief sie dazu auf, "Allianzen zu bilden – auch mit Menschen, die wir nicht mögen!" Sie erklärte, ihre Situation erlaube ihr, dass sie stets "die volle Verantwortung annehme und Dinge sage, die viele Menschen nicht so cool finden." Dabei dennoch auf eine gemeinsame Ebene zu finden, darauf komme es in Umbruchzeiten wie diesen aber am allermeisten an. "Denn wer nur in homogenen Zusammenhängen lebt, kann nichts verändern. Oder anders gesagt: Wer radikal sein will, muss in der Lage sein, eine Krawatte zu tragen." Anhaltender Applaus bestätigte die Bereitschaft der Anwesenden, diese Herausforderung anzunehmen.

Die CouLe-Skulptur in ihrer neuen Form aus Metall hat die Künstlerin Regine Rostalski aus Nordkirchen geschaffen. Form und Material spiegeln "Verletzlichkeit und Widerständigkeit gleichermaßen", wie es bei einem offenen Gespräch der CouLe-Jury auf der Bühne hieß. Sie reflektiert die herausragenden Leistungen der bereits Ausgezeichneten ebenso, wie sie weitere lesbische Vorbilder ehrt.

Die CouLe steht für lesbischen Mut und Sichtbarkeit, als ein Zeichen für Vielfalt, Menschlichkeit und eine offene Gesellschaft. Sehr bewusst wurde mit María do Mar Castro Varela in diesem Jahr ein komplex und politisch denkendes Vorbild geehrt. Eva Kulot vom Vorstand der LAG Lesben in NRW: „Gerade in regressiven Zeiten eines erstarkenden Rechtspopulismus gilt es sichtbar zu sein: Je mehr wir auf uns aufmerksam machen und je mehr Mut wir zeigen, desto stärker werden wir als eine wirkungsvolle Kraft wahrgenommen!"

www.couragierte-lesben-preis.nrw

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