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29.07.2015 "Man muss nicht bekannt sein, um Vorbild zu sein!"

Thomas Hitzlsperger wurde im Rahmen des CSD Duisburg mit dem Akzeptanzpreis "Brücke der Solidarität" für sein Engagement ausgezeichnet. Der Ex-Fußball-Nationalspieler führe mit seiner Arbeit vor Augen, dass nicht Homosexualität, sondern Homophobie die Perversion sei, die geächtet werden müsse, sagte Ralph Morgenstern in seiner Laudatio.

Die Kombination von Homosexualität und Fußball sei auch im dritten Jahrtausend noch "ein Kräfteparallelogramm aus politisch korrekten Sonntagsbotschaften und Versteckspiel", sagte der Akzeptanzpreisträger des Vorjahres.

Und er spannte den Bogen vom Fußball zur Politik, indem er meinte: "Solange homosexuelle Menschen von deutschen Politikern diskriminiert werden, kann man vom Fußballfan nun weiß Gott nicht verlangen, dass er selber vorausgeht."

2015-07-29 CSD-Duisburg HitzRalph 390Thomas Hitzlsperger bezeichnete den Preis auch als Ansporn, den Weg, den er eingeschlagen habe, fortzusetzen: "Ich weiß, da draußen sind viele Menschen, die haben nach wie vor Schwierigkeiten mit ihrer eigenen Homosexualität und es gibt Leute, die haben Schwierigkeiten im Umgang mit Homosexuellen - ich denke, da gibt es noch viel zu tun. Und die Arbeit möchte ich halt fortführen."

Für sein eigenes Coming Out sei es wichtig gewesen, Vorbilder zu haben, sagte Thomas Hitzlsperger: "Vor mir gab es andere Sportler und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die diesen Schritt gegangen sind und die mich ermutigt haben."

"Ich war Bundesligaspieler, ich war Nationalspieler, ich bin für Leute ein Vorbild. Und wenn ich jetzt in der Öffentlichkeit sagen kann, dass man auch als Homosexueller Profifußballer sein kann, dann glaube ich, ist das schon ein starkes Statement!" - Allerdings betonte der Preisträger auch, dass eine Vorbildfunktion nicht davon abhinge, wie bekannt eine Person sei: "Man muss nicht bekannt sein, um Vorbild zu sein! Jeder, der sich engagiert, der für Akzeptanz von Homosexuellen wirbt, der ist herzlich willkommen und diese Leute werde ich auch unterstützen."

Auf die Frage, wie er die Akzeptanz von Homosexuellen in der Bevölkerung derzeit einschätze, sagte Thomas Hitzlsperger: "Die volle Akzeptanz wird es wohl nie geben. Es gab Zeiten, da war es schon besser, aber es gab auch Zeiten, da war es schon schlechter. Deswegen kann ich nur alle ermutigen, weiter zu machen, ins Gespräch mit Leuten zu gehen und aufzuklären. Ich denke, dass viele Leute Sorge haben, weil sie einfach nicht genügend wissen."

"The Hitz" bedankte sich für die Laudatio von Ralph Morgenstern und die Organisation der Veranstaltung. Der Preis werde einen Ehrenplatz bei ihm bekommen. "Für's Engagement gewürdigt zu werden, weil man sich einsetzt für Menschen, denen es schwer fällt, mit der Homosexualität umzugehen, bedeutet mir viel, weil es mein neuer Lebensabschnitt ist."

Die gesamte Preisverleihung mit Laudatio, Interview und Dankesrede ist hier zu sehen:

www.csd-du.de
www.thomas-hitzlsperger.de

 

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