symbol sitemap   youtube logo     facebook logo    E-mail icon

symbol sitemap youtube youtube
  • Slide - IDAHOT 2017 01
  • Slide - IDAHOT 2017 02
  • Slide - IDAHOT 2017 03

Kampagne und Du!

Download-Bereich

Bildausschnitt Logo “anders und gleich“

Fachtag

fachtag-community

Flucht

refugees-lag

Material-Bestellung

Menue-rechts Material-Bestellung

Adressen NRWweit

Bild: Ausschnitt Nordrhein-Westfalen-Karte

CSD - nur mit Dir!

Illustration CSD

17. Mai: #RoteKarte

Menue-rechts RoteKarte 163

E-Postkarte

Bildausschnitt einer elektronischen Postkarte

Aktuelle Meldungen

 

10.02.2014

Asyl für LSBTTIQ* aus Russland

Dimitri Chusonow, kurz Dima, bei einer Festnahme 2012. Da ihm zwei Anklagen wegen Extremismus / Rowdytums drohen, hat er in dieser Woche mit seinem Ehemann in Köln einen Asylantrag gestellt.Der kleine deutsch-russische Verein Quarteera ist damit ausgelastet, Flüchtlingen aus Russland zu helfen. Die Anfragen sind sprunghaft gestiegen. Ein Interview von queer.de-Redakteur Norbert Blech mit Regina Elsner von Quarteera.

Quarteera ist eine Vereinigung russischsprachiger Lesben, Schwuler, Bisexueller, Transgender, Transsexueller, Intersexueller und Queer People (LSBTTIQ*) in Deutschland. Sie hat ihre Schwerpunkte in Berlin und Hamburg und ist drei Jahre nach der offiziellen Eintragung als Verein ein fester Name in der deutschen LSBTTI*-Szene: Aktivist_innen beteiligen sich mit kreativen Aktionen an Christopher Street Days, reisen durch halb Deutschland, um über die Lage in Russland aufzuklären, und helfen auch der Szene vor Ort durch Vernetzung und der Mitplanung von Events wie den Rainbow Flashmobs zum Internationalen Tag gegen Homophobie.

Die privat entstandene und bis heute ehrenamtliche Initiative, die zunächst vor allem russischsprachigen LSBTTIQ* in Deutschland Unterstützung und die Möglichkeit zum gegenseitigen Kennenlernen bieten wollte, stößt seit spätestens einem Jahr an ihre Grenzen. Seitdem sind die Anfragen an die Gruppe aus Russland nach Asyl oder anderen Möglichkeiten der Flucht gestiegen.

So kümmert sich die kleine Gruppe inzwischen um LSBTTIQ* aus Russland, die in ganz Deutschland verteilt in Asylverfahren stecken – auch um das Aktivistenpaar Wanja und Dima, das am Mittwoch in Köln einen Antrag auf Asyl stellte. Am Rande der Konferenz "Gold for equal rights" in Berlin am letzten Wochenende sprach queer.de-Redakteur Norbert Blech mit Regina Elsner von Quarteera.

queer.de: Wieviele Personen betreut ihr gerade und wie?

Regina Elsner: Wir wissen aktuell von 15 Personen im Asylverfahren. Davon unterstützen wir elf aktiv. Unsere Unterstützung sieht in den meisten Fällen so aus: Wir suchen und vermitteln Fachanwält_innen und bieten Übersetzungen beim Gang zu ihnen und zu den Behörden. Dann helfen wir bei der Suche nach russischsprachigen Ärzt_innen und Psycholog_innen, unterstützen Anwält_innen durch Informationen und Gutachten aus Russland. Und wir stehen natürlich im regelmäßigen Kontakt zu den Flüchtlingen – die moralische Unterstützung in Krisenmomenten ist wichtig, vor allem, weil die Prozesse oft sehr lange dauern und die Ungewissheit und Angst vor der Rückkehr sehr schwer zu ertragen sind.
Auch der Kontakt zur lokalen Flüchtlingshilfe, um z.B. Unterkunftsbedingungen zu verbessern, ist wichtig. Wir hatten beispielsweise einen Fall, wo zwei junge Frauen in getrennte Heime verlegt werden sollten, obwohl sie eindeutig angegeben hatten, dass sie ein Paar sind. Wir haben dann mit der Flüchtlingshilfe vor Ort und der zuständigen Bezirksregierung Kontakt aufgenommen, um das zu verhindern. Die Reaktion ist eine eigene Geschichte: Zunächst wurden die beiden dann als Schwestern geführt, um sie gemeinsam weiter zu bearbeiten – nett gemeint, aber eventuell verheerend für ihr Verfahren, weil das ja eine Falschaussage wäre. Soviel zum Thema LGBT-Sensibilität in den deutschen Ämtern.

queer.de: Was sind die Gründe für die Asylsuche?

Regina Elsner: Etwas grob kann man das in zwei Gruppen einteilen: Die einen haben handfeste psychische und physische Gewalt in ihrer Heimat erlebt, in den meisten Fällen auch direkt durch die Staatsgewalt, also Polizei, Miliz oder mafiöse Gruppen. Dazu gehören auch ausstehende Gerichtsverfahren, wie bei Dima – natürlich nicht wegen "Propaganda", sondern wegen handfesten strafrechtlichen "Verbrechen" wie Extremismus oder Rowdytum. Sie fürchten teilweise um ihr Leben, ihnen drohen echte Gefängnisstrafen. Sie können daher nicht zurückkehren.
Die andere Gruppe – bisher nur Frauen – sind gekommen, weil sie die zukünftigen Folgen der homophoben Gesetzgebung fürchten und bereits mit Alltagsdiskriminierung konfrontiert wurden, also Kündigungen, Ablehnung von Kindergartenplätzen für das eigene Kind, Bedrohungen oder Erpressung durch Nachbarn, dass sie die Familie dem Jugendamt melden werden etc. Die Sorge, dass schon geborene oder erwartete Kinder durch die Ämter entzogen und in Kinderheime gesteckt werden, sind enorm. Und natürlich will niemand warten, bis das entsprechende Gesetz wirklich angenommen wurde und das Jugendamt vor der Tür steht.
Beiden Gruppen ist gemeinsam, dass sie mit keinerlei Schutz durch staatliche Stellen – Polizei, Gerichte, Ämter usw. – rechnen können, sondern im Gegenteil mit zusätzlichen Repressionen rechnen müssen, wenn sie sich an diese um Hilfe wenden.

queer.de: Wie stehen die Chancen für solche Asylanträge allgemein und speziell für Dima und Wanja?

Regina Elsner: Das ist immer sehr schwer zu sagen, denn das Bundesamt trifft ausschließlich Einzelfallentscheidungen. Bei klar nachweisbaren Fakten der persönlichen Verfolgung stehen die Chancen nicht so schlecht, wie der Fall von Pawel und ein anderer gezeigt hat. Schwieriger ist es, wenn es (noch) keine konkreten Vorfälle gibt, die Menschen also aus Angst vor zukünftiger Bedrohung geflohen sind, oder aber – und das ist dramatischer – nicht nachweisen können, dass ihnen wirklich Dinge passiert sind.
Das betrifft vor allem die Situationen, in denen eine Anzeige bei der Polizei nicht gestellt werden kann, weil die Polizei dann selbst gegen einen vorgeht – keine Anzeige, kein Protokoll, kein Nachweis. Das gleiche gilt für ärztliche Gutachten – wenn man die Gefahr eingeht, zwangseingewiesen zu werden, wenn man sich an einen Arzt wendet, um Spuren von Missbrauch protokollieren zu lassen, wird man das lieber lassen. Aber man hat dann eben auch keine Dokumente. Der fehlende (Rechts-)Schutz ist die größte Bedrohung – er ist aber auch am schlechtesten nachweisbar.
Für Dima und Wanja sind die Chancen nach dem ersten Eindruck und den bekannten Mechanismen des Bundesamtes nicht gänzlich schlecht, denn es gibt klar auf der Hand liegende Materialien und Vergleichsfälle in Russland. Aber wie gesagt: Eine Garantie gibt es nicht.

queer.de: Welche Alternativen zum Asyl gibt es?

Regina Elsner: Alternativen, um aus Russland rauszukommen? Arbeit oder Studium – das sind die Wege, die wir empfehlen, weil Asyl wirklich ein sehr harter Weg ist und oft eine zusätzliche Traumatisierung bedeutet.

queer.de: Wie kann man euch unterstützen?

Regina Elsner: Finanziell, damit wir mehr Möglichkeiten haben, die Leute etwa bei Anwalts-, Übersetzungs- oder Fahrtkosten zu unterstützen. Es gibt einige Flüchtlinge, die versuchen, ohne Anwalt_in durch die Anhörungen zu kommen – das ist riskant, weil es Dinge gibt, die, wenn sie einmal auf dem Papier stehen, nicht noch mal besser erklärt oder formuliert werden können. Die Unterstützung durch erfahrene Fachanwält_innen kann da entscheidend sein – ist aber nicht billig.
Und es wäre auch gut, mal eine Aufwandsentschädigung für die zahlen zu können, die oft sehr viel persönliche Zeit in die Unterstützung stecken. Wir sind zur Zeit personell sehr auf Berlin konzentriert, haben aber auch Fälle in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern und Bayern. Da wäre es gut, Ansprechpartner_innen zu haben, die Russisch können und spontan unterstützen können, wenn es irgendwo brennt.
Nicht zuletzt wünschen wir uns eine größere Sensibilität für LGBT-Flüchtlinge – und das nicht nur aus Russland! – bei den Ämtern, Flüchtlingshilfen etc. Die Flüchtlinge erleben in den Flüchtlingsheimen oft eine ähnliche diskriminierende Situation wie in ihrer Heimat, aus der sie geflohen sind. Es wäre wichtig, nach Möglichkeit darauf Rücksicht zu nehmen, ob es in den Orten LGBT-Organisationen gibt, die sie psychologisch unterstützen können.

 

Zur Quarteera-Homepage: www.quarteera.de
Spenden an Quarteera: www.quarteera.de/Spenden-sind-willkommen

Artikel von: www.queer.de

Kampagne und Du!

Download-Bereich

Bildausschnitt Logo “anders und gleich“

Fachtag

fachtag-community

Flucht

refugees-lag

Material-Bestellung

Menue-rechts Material-Bestellung

Adressen NRWweit

Bild: Ausschnitt Nordrhein-Westfalen-Karte

CSD - nur mit Dir!

Illustration CSD

17. Mai: #RoteKarte

Menue-rechts RoteKarte 163

E-Postkarte

Bildausschnitt einer elektronischen Postkarte

ministerium